Rembrandt van Rijn (?)
(Leiden, 1606-1669, Amsterdam)
Jagdstillleben mit Rohrdommel und einem Mädchen
Öl auf Leinwand, 120 x 91.5 cm
Bezeichnet unten links: Rembrandt f. 163(?)

Der Schauplatz ist nicht leicht zu ermessen. Oben rechts ein Fenster – sehen wir in einen Vorratskeller? Ein Mädchen lehnt sich über eine Brüstung aus langen, breiten Brettern: steht es auf dem Absatz einer Treppe? Aber wie endet die Brüstung rechts, und wie weit ist sie von der hinteren Wand entfernt? Und wohin blickt das Mädchen? Oder sinnt sie nur? Woher fällt das Licht auf sie? In der Rechten hält sie eine tote Schnepfe. Von der Decke hängt rechts an einem Strick eine Rohrdommel als Jagdbeute herab. Unter ihr steht ein Tisch, auf dem ein kupferner Kessel und eine Jagdtasche liegen. Quer durch das Bild ragt eine Flinte (wo lehnt sie an?). Ein "Jagdstück" wäre dieses also? Aber ist es wegen des Mädchens und der – gleich wie rätselhaften – Örtlichkeit nicht auch ein "Küchenstück" nach südniederländischer Tradition? Ein Stillleben einerseits – ein Genrebild andererseits. Zudem: Kann dem verschlossenen, heraldisch streng aufgeteilten und geordneten Bild nicht auch eine tiefere Bedeutung innewohnen? Spricht es nicht auch symbolisch vom Ende und Beginn des Lebens? Um so nachhaltiger ist der bedrohliche Eindruck des schwärzlich-glänzenden Flintenlaufes. Zwei oder drei weitere Bilder mit toten Vögeln kennen wir von Rembrandt; sie stammen wohl nicht zufällig aus denselben Jahren wie dieses Gemälde. In dem Inventar, das 1656 wegen Rembrandts Zahlungsunfähigkeit von seiner gesamten Habe aufgenommen wurde, kommt auch "Een pitoor (= Rohrdommel) nae ‘t leven, van Rembrant" vor – war es dieses Gemälde? H. Gerson (1969) bezweifelte die Echtheit der Signatur und hegte den Verdacht, das Bild stamme "aus der Rembrandt-Schule", eine Annahme, die heute allgemein akzeptiert ist.