Salomon van Ruysdael
(Naarden, ca. 1600-1670, Haarlem)
Blick auf Rhenen, 1651
Öl auf Holz, 43.5 x 54 cm
Signiert & datiert unten links: SVRVYSDAEL 1651
Stechow 523A
Auf der Reise von Utrecht nach Nijmegen und Kleve oder nach Arnhem erreichte man bei Rhenen das Nordufer des Rheins und sah das Städtchen wie in diesem Bilde liegen. Es lag nicht unmittelbar am Rhein und hatte auch keinen Hafen. Fest von einer mittelalterlichen Mauer umgrenzt, zog Rhenen sich den Hang hinauf. Zwei Mühlen fingen den Wind an den höchsten Stellenauf der Stadtmauer. Das Wahrzeichen Rhenens jedoch – jedem Freund niederländischer Malerei, Graphik und Baukunst heute noch so vertraut wie damals dem Reisenden – war der gewaltige Turm der spätgotischen Wallfahrtskirche St. Cunera. Er war 1492-1531 entstanden, eine der schönsten Schöpfungen der niederländischen Spätgotik. Die Reliquien der heiligen Cunera hatten der kleinen Gemeinde die Mittel zum Bau eingetragen. An der Westseite des Turms lag das zweite bemerkenswerte Bauwerk Rhenens, ein Jahrhundert nach dem Turm entstanden: das Palais des "Winterkönigs" von Böhmen, Friedrichs V. von der Pfalz, das dem hohen Flüchtling 1630/31 als Residenz erbaut worden war. Schon zu Anfang 1632 war er allerdings wieder fortgezogen. Seitdem ging in Rhenen nichts mehr vor sich, was den Ort besonders ausgezeichnet hätte – doch der Anblick aus der Ferne, vom Nordufer aus oder über den Rhein hinweg, hat noch ungezählte Maler und Zeichner gefesselt. Salomon selbst hatte schon 1648 eine Ansicht von Rhenen gemalt (London) und nahm 1660 (?) und später mindestens noch zweimal das Thema wieder auf. Der Ausdruck unseres Gemäldes wird bestimmt von wogenden braunen Bodenwellen im Vordergrund, denen sich etwas Gelb, dann Grün in der Entfernung beimischt, vom Graublau des stillen Rheins,vor allem jedoch vom hohen Himmel, in dem der braune Untergrund durchschimmernd mitspricht. Eine Vielzahl fein gestufter Töne vom Elfenbeingelb über der Stadt bis zum Blau am oberen Rand des Bildes und allerlei Grautöne in den Wolken machen den Himmel zum farbigen Ereignis, das die Darstellung weit über die "Topographie" erhebt.