Salomon van Ruysdael
(Naarden, ca. 1600-1670, Haarlem)
Flussufer mit einem Dorf, 164(5?)
Öl auf Holz, 64 x 93 cm
Monogrammiert & datiert auf dem Boot: S. vR 164(5?)
Stechow 512
Salomon, der Onkel des dramatischeren Jacob van Ruisdael, ist einer der Unverkennbaren unter den niederländischen Malerspezialisten. Flusslandschaften wie diejenige der Sammlung Bührle waren zeitlebens sein grosses Thema. Immer wieder variierte er das schlichte Kompositionsschema (oder kehrte es spiegelbildlich um): Eine stille Wasserfläche füllt den Vordergrund des Bildfeldes und zieht sich nach einer Seite in die Ferne bis an den tiefen Horizont; auf der anderen Seite schiebt sich, keilförmig in die Weite abfallend, ein Uferstreifen mit Bewuchs, Gehöften, Heuhaufen und Kirchen hinein; hoch ragen einige schlanke Bäume in einen freundlichen Himmel und verästeln sich zu fein gepinselten Schattenrissen; Ruder-, Segel- oder Fährboote beleben die Wasserfläche, begleitet von ihren hauchfeinen Spiegelbildern. Unverkennbar sind auch Salomons Farben: sommerlich licht, ein wenig bunt: unverkennbar ist endlich die gediegene Maltechnik, welche die beglückend gute Erhaltung der meisten seiner Gemälde gesichert hat. In unserem Bild ist das Wams des Mannes, der den vordersten Kahn mit dem grossen Fischkorb rudert, rotbraun; im übrigen ist das Bild auf Grün, Blau, Braun, Grau und Elfenbeingelb gestimmt. Wässrige, grausilbrige Luft dämpft und verbindet die Töne. Am Ufer erkennt man einen Heuhaufen, ein Gehöft mit einer Laube, in der ein paar Leute sitzen, und links hinter dem Gehöft eine Kirche. Kaum merklich gehen die Elemente Erde, Luft und Wasser farbig ineinander über. Geschmeidig, flüssig und treffsicher zeichnet die Pinselspitze. Kühle Frische atmet das Bild, atmosphärische Weite und ländliche Abgeschiedenheit zugleich. Eine nüchterne Poesie fand der Maler an den Nahtstellen der Natur. Das Entstehungsjahr ist etwas unklar; vielleicht hilft zur Entscheidung für 1645 auch der Umstand, dass es eine deutlich 1645 datierte Kopie gibt, die 1938 im englischen Kunsthandel war und seitdem verschollen ist.