Philips Koninck
(Amsterdam, 1619-1688, Amsterdam)
Landschaft mit rastendem Wanderer, 1665
Öl auf Leinwand, 65.5 x 94.5 cm
Signiert & datiert unten links: Pkonink 1665
Gerson 1
Viele Landschaften von gleicher Art hat Koninck gemalt; es gilt, sie voneinander zu unterscheiden, obwohl die Nennung des besonderen, aber beiläufigen Motivs auch als ungebührliche Ablenkung vom Allgemeinen, das der Maler wollte, verstanden werden kann. Am Wegrand links im Vordergrund sitzt ein Mann mit einer Kiepe auf dem Rücken und ruht sich aus. Von einem weiteren Wanderer, der in die Ebene davonschreitet, ist nur noch der Oberkörper mit dem Rucksack zu sehen. Mehr Menschen zeigt das Bild nicht; aber diese beiden sind in dem gewaltigen Panorama nicht verloren. Ein Fluss windet sich durch den Mittelgrund bis an den Horizont. In solchen Gemälden hat Koninck die heimatliche Flachlandschaft zum künstlerischen Erlebnis gemacht: Immens und doch von Bodenwellen und Bewuchs allenthalben belebt, fast wie die See liegt das Land unter dem Betrachter; hingebreitet, kühnerweise ohne seitliche Stützen ("Repoussoirs") im Vordergrund, fliessend von vorn nach weit, weit hinten übergehend – diese bruchlose Suggestion ist eine der schwierigsten Aufgaben für den Landschaftsmaler. Die für den Maler kennzeichnenden Blaugrün-, Dunkelgrün- und Brauntöne, die auf das Sandgelb vorn in der Mitte folgen, bestimmen den farbigen Ausdruck des Gemäldes. Überall, vor allem jedoch in der Ferne und im Himmel, spricht stark die braunlilafarbene Untermalung mit. Von den Wolken, die sich in dramatischem Gegensatz über der Ebene ballen, sind nur die von oben links beleuchteten Stellen, auf denen das Weiss am dicksten sass, noch opriginalgetreu; die Gesamtstimmung, die jetzt der eines kühlen, regenschweren Spätnachmittags entspricht, ist in der Art vom Maler nicht beabsichtig gewesen.