Meyndert Hobbema
(Amsterdam, 1638-1709, Amsterdam)
Landschaft mit einem Gasthaus, um 1665
Öl auf Holz, 47 x 53.5 cm
Signiert unten links: M. Hobbema

Durch einen schütteren Krüppelwald, den der karge Boden nicht gut genährt und den der Wind niedrig gehalten und zerzaust hat, windet sich gemächlich ein von Karrenrädern zerfurchter Sandweg. Noch heute lässt sich an der holländischen Küste hinter den Dünen die Naturwahrheit dieser Ansicht prüfen. Windgeschützt verbergen sich Gebäude zwischen den Bäumen; nur Ecken treten hervor, deren verwittertes graues Holz mit der knorrigen Vegetation vor dem Auge gleichsam zusammenwächst. Eine kleine Fahne (genauer: ein bemaltes Holzschild) verrät am Haus zur Rechten, dass dies ein Gasthaus ist. Oben rechts auf dem höchsten First nistet ein Storch. Einige Landleute beleben die Ansicht als "Staffage". Die Komposition ist schlicht. Die Grundtöne sind ländlicher Frieden und heimatliche Naturtreue. Licht durchflutet den Wald und gibt dem Bild die sommerlich-warme Stimmung. Die Malerei ist reich und frei, die Farbe in kleinen Tupfern und sicheren Strichen mit vollem Pinsel aufgetragen. Der schematische "Baumschlag", mit dem andere Maler kalligraphisch, aber auch pedantisch die Schilderung grosser Laubmengen erledigten, war Hobbemas Sache nicht. Regellos wie die Natur setzte er den Pinsel auf. Das Datum dieses Bildes ist aus dem Vergleich mit den wenigen datierten Gemälden Hobbemas gewonnen, wird jedoch nur zögernd genannt; denn seinem grossen Thema, dem durchlichteten Wald fern der Städte und Felder, blieb Hobbema während seiner Schaffenszeit ebenso treu wie der Malweise. Der englische Maler John Crome (1768-1821) kopierte um 1790 bei Thomas Harvey, dem damaligen Besitzer des Hobbema, neben anderen Alten Meistern auch diesen, in dem er – wie viele weitere Maler im 19. Jahrhundert – einen Wahlverwandten entdeckte.