Frans Hals
(Antwerpen, 1580/85-1666, Haarlem)
Porträt eines Mannes, um 1660/66
Öl auf Leinwand, 70 x 58.5 cm
Grimm 168/Slive 219
Frans Hals war einer der gesuchten Porträtisten im sogenannten "Goldenen Zeitalter" der holländischen Malerei im 17. Jahrhundert. Das Männerbildnis der Sammlung Bührle ist ganz am Ende seiner Laufbahn entstanden. Es gibt einen Mann wieder, der damals etwa zwei Generationen jünger war als der achtzigjährige Maler selbst. Hals gelingt es, den jugendlichen Auftraggeber in einer "Coolness" zu erfassen, die auch den heutigen Betrachter noch unmittelbar anspricht – und das ganz im Gegensatz zu vielen bombastischen Bildnissen der Barockzeit, die vor allem auf Repräsentation setzen. Wir kennen den Namen des Dargestellten nicht mehr, dürfen aber voraussetzen, dass er recht wohlhabend war. Darauf lässt nicht nur seine modisch elegante Kleidung mit dem hohen weissen Kragen schliessen, sondern auch der Umstand, dass er sich sein Bildnis von der Hand des Frans Hals überhaupt leisten konnte.
So vermeintlich anspruchslos das Bildnis auch daherkommt, verrät doch eine sehr bewusste Anordnung die Hand des erfahrenen Meisters. Das von links einfallende Licht hebt die dem Betrachter zugewandte Gesicht- und Körperhälfte hervor. Im Kontrast zu der im Schatten liegenden anderen Hälfte wird die leichte Drehung betont, mit der sich der Dargestellte dem Betrachter ganz "spontan" zuwendet. Durch sorgfältige Lichtregie wird ausserdem der abgekehrte linke Arm vom dunkelbraunen Hintergrund abgehoben, um der Figur plastische Tiefe zu geben.
In kaum einem anderen Altmeister-Bild der Sammlung Bührle wird so schlagartig nachvollziehbar, was einen Liebhaber französischer Impressionisten für Werke alter Meister begeistern konnte. Die Pinselstriche, die Frans Hals im 17. Jahrhundert virtuos auf die Leinwand schmiss, verraten die gleiche Freude an der vibrierenden Handschrift des Malers, die sich 200 Jahre später in den Bildern der Impressionisten äussert. Die formale Verwandtschaft der Impressionisten zu berühmten Meistern der älteren Malerei war ein verbreitetes Argument, mit dem zur Zeit von Emil Bührles Jugend für Sympathien zugunsten des Impressionismus geworben wurde.