Eugène Delacroix
(Charenton-Saint-Maurice, 1798-1863, Paris)
Christus auf dem See Genezareth, 1853
Öl auf Leinwand, 60 x 73 cm
Signiert & datiert unten rechts: Eug. Delacroix 1853
Johnson 455
Stark präsent in der Sammlung Bührle ist der Romantiker Eugène Delacroix. Delacroix war eine grosse Leitfigur für die französische Malerei in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Er zog vor allem die Bewunderung jüngerer Künstler auf sich, denen das akademische Kunstideal zunehmend fremd wurde. Das Bild Christus auf dem See Genezareth lässt erkennen, wie frei Delacroix mit traditionellen Bildvorlagen umging. So konzentriert er seine Schilderung nicht auf die verängstigten Jünger, die sich endlich trauen, ihren schlummernden Herrn im Bug des schlingernden Boots aufzuwecken. Vielmehr gilt seine Aufmerksamkeit vor allem den stürmisch bewegten Wellen des Sees, die effektvoll vom dahinter liegenden Gebirge abgesetzt sind. Eine besondere Dynamik gibt dem Bild das vom Wind erfasste Segel, das den Blick auf den wolkenverhangenen Himmel lenkt. Die bewegte malerische Pinselführung verband die impressionistische Malerei mit derjenigen von Eugène Delacroix, und in mehreren wichtigen Pariser Sammlungen hingen Bilder der Impressionisten Seite an Seite mit Werken dieses Künstlers. Dass Emil Bührle Delacroix einen so wichtigen Platz in seiner Sammlung einräumte, lässt erkennen, wie stark er die Geschichte der Kunst als eine Geschichte ihrer Entwicklung begriff. Indem er mit Delacroix einen wichtigen Vorläufer sammelte, verankerte er seine französischen Impressionisten in der Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts.