Francesco Guardi
(Venedig, 1712-1793, Venedig)
Bacino di San Marco, um 1780/85
Öl auf Leinwand, 62 x 93.5 cm
Morassi 288
Dieser Blick von der Dogana di Mare aus gegen San Giorgio Maggiore zur Rechten und hinüber zum Bacino di San Marco sowie der sich anschliessend daran weithin erstreckenden Riva degli Schiavoni gehört zu den Ansichten Venedigs von Francesco Guardi aus seiner Spätzeit. – Sein Hauptaugenmerk hatte der Künstler der Vedutenmalerei erst zugewandt, nachdem ihm durch den Tod des Bruders Giovanantonio im Jahre 1760 die Leitung der Familienwerkstatt zugefallen war. Schon damals hatte ihn die zeitweise vollzogene Annäherung an die perspektivisch disziplinierten Vedutenkompositionen Canalettos nicht daran hindern können, der Eigenart seines persönlichen Kunstwollens unvermindert treu zu bleiben. Dies gilt um so mehr angesichts des geradezu visionären Charakters unserer Vedute, deren lichte Atmosphäre durch einen silbrigen Gesamtton mit reichen Abtönungen von Blau bestimmt ist, aus dem da und dort ein wenig Rot aufleuchtet. Wohl ist die vorgestellte örtliche Situation, womöglich unter Hinzuziehung graphischer Vorbilder, sorgfältig studiert. Dennoch sehen wir Guardi auch hier nicht dazu bereit, sich der geometrisch streng aufgebauten Bildgesetzlichkeit aus Canalettos klassischer Periode vorbehaltlos zu unterwerfen. Statt die seiner sensiblen Farbempfindlichkeit gemäße, malerische Charakterisierung des Stofflichen der linearen Klarheit plastisch gefestigter Formen zu opfern und die stufenweise überschaubaren Entfernungen im Bilde allein durch die Anwendung perspektivischer Mittel zu regeln, überwiegt bei ihm deutlich die Neigung, das vorgestellte Bildgeschehen unabhängig von rationalen Überlegungen intuitiv zu ordnen. Stilistisch ordnet sich das Bild einer Gruppe von Bildern aus den Jahren zwischen 1784 und 1789 zu; vergleichbar ist auch die Ansicht von San Giorgio Maggiore im Institut Néerlandais in Paris.