Antonio Canal (Il Canaletto)
(Venedig, 1697-1768, Venedig)
Der Canal Grande, um 1738/42
Öl auf Leinwand, 121 x 152 cm
Constable-Links 224
"Die ausgeprägte atmosphärische Verwandtschaft der eigentlichen Impressionisten mit den Venezianern des 18. Jahrhunderts brachte mich schliesslich zu Canaletto, Guardi und Tiepolo" – mit diesen Worten beschrieb Emil Bührle 1954 in einem Vortrag den Weg, der ihn von seinem Hauptinteresse, dem französischen Impressionismus, zu ausgewählten Gebieten der älteren Malerei geführt hatte. Die grossformatige Ansicht vom Canal Grande in Venedig ist zusammen mit der Wiedergabe der der Kirche Santa Maria della Salute ein zentrales Werk in der kleinen, aber erlesenen Venezianer-Abteilung der Sammlung Bührle. Beide Bilder gehören zu einer Serie von ursprünglich sechs Ansichten, die dem Verlauf des Kanals von Norden nach Süden folgen. Der Künstler Antonio Canal, besser bekannt unter seinem Beinamen "Canaletto", erzielt die Wirkung einer strahlenden Helligkeit vor allem mit den harten Schlagschatten, die er auf die Wände der Gebäude fallen lässt. Der Eindruck einer hyperrealistischen Genauigkeit wird noch verstärkt durch die exakt beobachteten Gondeln und Figuren. In ihrer Lebensechtheit lassen sie leicht vergessen, dass diese Bilder keineswegs, wie später die Werke der Impressionisten, vor der Natur gemalt wurden, sondern im Atelier entstanden. Canaletto war der erste grosse Star der venezianischen “Veduten“, ein Begriff, der abgeleitet ist vom italienischen Wort "la veduta", die Ansicht. Die Veduten-Malerei entstand im 18. Jahrhundert für die Touristen, die Italien bereisten, um dort ihre Bildung zu vervollkommnen. Der englische Konsul Joseph Smith trug massgeblich zum Erfolg der venezianischen Veduten bei, indem er als Agent Aufträge von wohlhabenden Familien in Grossbritannien vermittelte. Auch die Serie, aus der die beiden Bilder der Sammlung Bührle stammen, verdankte sich wohl einem solchen Auftrag. Jedenfalls hingen die Bilder über zweihundert Jahre lang in einem herzoglichen Schloss bei Edinburgh, bis sie 1953 zum Verkauf kamen.