Antonio Canal (Il Canaletto)
(Venedig, 1697-1768, Venedig)
Santa Maria della Salute, um 1738/42
Öl auf Leinwand, 121 x 152 cm
Constable-Links 172
Ansichten von der Kirche Santa Maria della Salute am Ostende des Canal Grande gehören zu den bevorzugten Motiven der venezianischen Vedutenmaler schlechthin und sind auch im Werk des Antonio Canaletto durch zahlreiche Beispiele vertreten. Die starke Anziehungskraft, welche dieser Gegenstand sowohl auf die Künstler wie aufs Käuferpublikum ausübte, erklärt sich ohne weiteres aus der beherrschenden Rolle dieses durch seine malerische Silhouette ausgezeichneten Zentralbaues für das Stadtbild von Venedig, die noch unterstrichen wird durch ein der barocken Architektur überhaupt eigentümliches Streben nach einer prachtvoll gestalteten Aussenansicht, das sich in diesem Falle ohne Rücksicht auf den Innenraum oder auf die Behandlung der Rückseite ausschließlich der gegen den Kanal betonten Schauseite zuwendet. Im vorliegenden Bild behandelt Canaletto seinen Gegenstand in einer für ihn seit etwa 1730 charakteristischen Manier, die sich von der betont malerischen Auffassung seiner früheren Bilder durch eine kühle Ausgeglichenheit unterscheidet. Statt wie bisher unter dem Zwang diagonal angelegter Kompositionen zwecks Steigerung der räumlichen Wirkung von den Regeln der Perspektive abzuweichen, werden nunmehr die atmosphärischen Qualitäten von Luft und Wasser auf die präzis umschriebenen architektonischen Formen genau abgestimmt und das Ganze einem einheitlichen Massstab unterworfen. Die Übersichtlichkeit der durch festumrissene Schattenzonen gegeneinander abgesetzten Bildebenen wird durch eine gleichmässig sich ausbreitende Helligkeit unterstützt, wobei der sich zusehends auflichtenden Palette, im Gegensatz zu dem pastosen Farbauftrag der voraufgegangenen Jahre, ein flüssiger Pinselstrich entspricht. Das Bild gehört mit der nachfolgend behandelten Ansicht des Canal Grande zu einem Zyklus von sechs Veduten, den der Künstler zwischen 1738 und 1742 für einen englischen Auftraggeber ausführte. Er gelangte kurze Zeit später durch Erbschaft in die Sammlung der Herzöge von Buccleuch gelangte und verblieb bis ins 20. Jahrhundert in Dalkeith Palace bei Edinburg.