Pablo Picasso
(Málaga, 1881-1973, Mougins)
Gustave Coquiot , um 1901
Öl auf Karton, 46 x 37 cm
Signiert unten links: Picasso
Zervos, I-85; Daix VI-16
Mit seinem ersten Aufenthalt in Paris 1900 wurde dem damals noch nicht neunzehnjährigen Pablo Picasso von seinen Eltern ein sehnlicher Wunsch erfüllt. Zu Weihnachten nach Barcelona zurückgekehrt, musste er um so deutlicher empfinden, dass diese Stadt ihm trotz all ihrer Aufgeschlossenheit nicht mehr viel zu bieten hatte. So trifft er nach einem Aufenthalt in seiner Geburtsstadt Malaga und in Madrid Ende März 1901 wieder in Paris ein, um dort bis Ende des Jahres zu bleiben. Er wohnt am Boulevard de Clichy bei seinem Landsmann Mañach, der dem noch nicht Französisch sprechenden Neuling Verbindungen schafft. Auf diese Weise lernt er den Dichter Max Jacob und den Kritiker und Kunstschriftsteller Gustave Coquiot kennen. Letzteren malt er in diesem Jahr gleich zweimal. Hier in einem kleinen Bild sitzend in ganzer Figur, die Beine übergeschlagen, vor einer Bilderwand, ganz ähnlich und in den gleichen Massen wie Ende der siebziger Jahre Cézanne den Sammler Choquet gemalt hatte. Befinden wir uns vielleicht bei Vollard in der Rue Laffitte, wo der junge Picasso schon in diesem Jahr eine Ausstellung hatte? Oder bei Coquiot? Den kleinen Karton konnte man leicht mit sich führen, und das Bild war schnell gemalt in seiner skizzenhaften intimen Frische, die man ebenso post-impressionistisch wie prä-fauvistisch nennen könnte. Erstaunlich, wie sicher sich dieser zwanzigjährige Spanier schon in der französischen Malerei orientiert hat, und man ahnt die grossen vitalen Reserven, die in diesem Maler stecken. Hier ist nichts von "fin de siècle".