Chaim Soutine
(Smilowitschi bei Minsk, 1894-1943, Paris)
Damenporträt, um 1928
Öl auf Leinwand, 73 x 60 cm
Signiert unten rechts: Soutine

Wenn schon die Stillleben und Landschaften Soutines die selbstquälerischen, expressiven Züge seines eigenen Wesens tragen, um wieviel mehr die Porträts und Figurenbilder. Als Soutine um 1920 in Céret in den Pyrenäen seine apokalyptischen, schwer zu entwirrenden Landschaften malte, entstanden Figurenbilder wie der "Mann im grünen Rock", der sich quälende Deformationen gefallen lassen musste. Erst Ende der 1920er Jahre findet er in den Bildern der jungen Ministranten, Bäckerjungen und Pagen auch heiterere Lösungen, in denen er seiner Leidenschaft für starke Farben wie Scharlachrot, aber auch Weiss und Grau huldigen kann. Auseinandersetzungen mit Bildern Rembrandts und Courbets bleiben nicht ohne Einfluss. Das Damenporträt der Sammlung Bührle ist zwar noch mit wahren Sturzbächen von Ultramarinblau, kontrastierend mit dem Rosa des Inkarnats, gemalt, die Pinselführung ist flammend bewegt, aber sie ist nicht mehr so verkrustet und reliefhaft, sondern leicht und flüssig. Alles gesteigert Expressive, Karikierende ist vermieden, und die streng symmetrische En-face-Darstellung der jungen Frau gibt dem Bild fast etwas Altmeisterliches.