Chaim Soutine
(Smilowitschi bei Minsk, 1894-1943, Paris)
Die zwei Fasane, um 1924/25
Öl auf Leinwand, 50 x 61 cm
Signiert unten rechts: Soutine
Tuchmann Still Lifes 105
Die Schatten des Ghettos von Smilowitschi bei Minsk, wo Chaim Soutine als zehntes von elf Kindern eines jüdischen Dorfschneiders 1894 geboren wurde, sind nie von ihm gewichen. Sie haben sein Leben mit isolierender Einsamkeit, Melancholie, Zweifel an sich selbst und Misstrauen, selbst seinen Freunden gegenüber, verdunkelt. Sie haben ein Leben in einer natürlichen Gemeinschaft ausgelöscht zuliebe eines besessenen, eruptiven Schaffens, das von Zeiten untätiger, tiefster Resignation abgelöst wurde. Dieses aus dem inneren Zwang geborene Werk mit seinen deformierenden Expressionen beruft sich auf Rembrandt und baut auf dem in mancher Hinsicht wesensverwandten Einzelgänger van Gogh auf. Mit Paris, wo Soutine 1913 eintrifft, hat es wenig zu tun, er lebt unter jüdisch-russischen Künstlern weiter im Ghetto. Auch die Helligkeit des Lichts, das den französischen Impressionismus geboren hat, erreicht ihn nicht. Die Landschaften, die er in Frankreich malt, selbst in dem sonnendurchfluteten Süden, sind nur Spiegel seiner selbstquälerischen Zweifel, von Gewittern bedroht und von Erdbeben geschüttelt. Manet, Monet und Renoir hatten Geflügelstillleben um des seidigen Gefieders der Vögel willen gemalt, Soutine malt sie gerupft und ausgenommen mit turbulent wirbelndem Pinsel in den oszillierenden blauroten Tönen sich ankündigenden Verwesens.