Juan Gris
(Madrid, 1887-1927, Paris)
Karaffe, Schale und Glas, 1919
Öl auf Leinwand, 33 x 41 cm
Signiert & datiert unten rechts: Juan Gris 5-19
Cooper 304
Als Juan Gris 1911/12 seine ersten kubistischen Bilder malte, hatten die Initiatoren dieser Bewegung, Picasso und Braque, gerade ihre extremsten Werke im Sinne des analytischen Kubismus geschaffen. Die farbige Neubelebung der puristischen Elemente durch den synthetischen Kubismus ist die Stilphase, die auch Juan Gris zu jenen Meisterwerken von 1913/14 führt, in denen sich die spanische Glut der Farben mit der französischen Clarté der Form verbindet. Der Erste Weltkrieg, der den Spanier in Paris persönlich nicht unmittelbar in Mitleidenschaft zieht, unterbricht doch die organische Entwicklung schöpferischer Kontakte.
Die beiden kleinen Stillleben gleichen Formats der Sammlung Bührle, im Mai 1919 entstanden, repräsentieren den gewandelten synthetischen Kubismus nach dem Weltkrieg. Die belanglosen Gegenstände, soweit man überhaupt von ihnen reden kann, sind noch immer dieselben: Obstschale, Flasche, Gläser und die zusammengefaltete Zeitung, was deutlicher wird, wenn man fast gleichzeitige, viel naturnähere Zeichnungen zum Vergleich heranzieht. Aus diesem Vergleich wird auch klar, wie Gris die verschiedenen Gegenstände nach Licht-, Farb- und Schattenwerten miteinander verbindet und verschränkt, so dass zum Beispiel die Obstschale formal in eine Tischecke übergeht, in die sich eine Flächenform einschiebt, die aus der auf dem Tisch liegenden Serviette entstanden ist.