Georges Braque
(Argenteuil-sur-Seine, 1882-1963, Paris)
Früchtestillleben, 1924
Öl auf Leinwand, 31.5 x 65.5 cm
Signiert & datiert unten links: G. Braque 24
Maeght 24-27.10
Der analytische Kubismus, der in die Isolierung führte, wird schon im synthetischen Kubismus 1912-1914 wieder durch Farbe und Collagen bereichert. Nach dem Kriege knüpft Braque wieder an, wo die Entwicklung gewaltsam abgerissen war. In der Bindung an eine handwerkliche Ausbildung vermeidet er bewusst genialische Experimente, die dazu verurteilt gewesen wären, Fragmente zu bleiben, und beschränkt sich fast ganz auf das Stillleben. Dieses Thema reift unter seinen Händen zu einem überzeugenden Werk in einer erstaunlichen Vielfalt.
Die ständig fortschreitende Entwicklung – auch in diesem beschränkten Darstellungsbereich – gründet nicht in der Theorie, die Braque ablehnt, sondern in dem stets sich erneuernden sinnlichen Augenerlebnis. Die Bilder der zwanziger Jahre sind hierin ein neuer Höhepunkt seines Schaffens. Das "Stillleben mit Glas und Porzellanschüssel" von 1924 steht in einer langen Reihe ähnlicher Bilder dieses und der folgenden Jahre. Das gestreckte Querformat ist ein Element ruhiger Ausgeglichenheit, das eigentliche Stillleben ist in einer Schattenmuschel wie ein Basrelief dicht ans Auge gerückt und in seiner wie im Fluss entstandenen Farbsubstanz zum Greifen nahe, ein gebrochenes Weiss in Decke, Glas und Porzellanschüssel, Ocker, Grün und Violett der Früchte, fast elegant belebt durch die rote und blaue Malerei der Deckelschüssel sind die farbigen Elemente auf dem schwarzen Schattengrund. Die festonartig durchhängende Decke gibt dem Bild etwas barock Feierliches. Die Spannung entsteht durch die hierzu ganz im Gegensatz stehende strenge, grauviolett und ockerfarben gestreifte Tapete, die das "chardineske" Stillleben zu einem Werk der modernen Malerei macht.