Georges Braque
(Argenteuil-sur-Seine, 1882-1963, Paris)
Der Hafen von L'Estaque, um 1906
Öl auf Leinwand, 38 x 46 cm

Nach dem in Honfleur und Le Havre verbrachten Sommer 1905 zurück in Paris, wird für Braque der Salon d’automne zur Offenbarung, welche Freiheiten der Malerei erschlossen waren. Vor allem, was Matisse und der junge Derain in Collioure gemalt hatten, wies ihm den Weg zu seinen ersten schöpferischen Bildern, wie er selbst sagte. Sie entstanden im Sommer 1906 im Hafen von Antwerpen in enger Zusammenarbeit mit dem nur wenig älteren Othon Friesz, den Braque schon seit Jahren aus Le Havre kannte. Um die in Fluss gekommene Arbeit nicht unterbrechen zu müssen, ging Braque im Herbst nach L’Estaque bei Marseille, wo Cézanne gemalt hatte, und verbrachte dort auch den ganzen Winter. Wie in Le Havre und Antwerpen wurde auch hier der Hafen wieder ein bevorzugtes Thema: ein kleines Becken für die Fischerboote, eingerahmt von den Häusern des Ortes. Unter dem Eindruck der Bilder von Matisse und Derain aus Collioure wurden die geschlossenen Farbflächen jetzt in ein Mosaik starker ungemischter Farben umgewandelt, das vor allem von den Komplementärfarben Rot und Grün, Blau und Orange bestimmt war. Sie wurden jetzt in breiten, meist horizontalen Flecken aufgetragen, soweit sie nicht formgebend von diesem Schema abweichen. Braque hatte mit den Bildern dieses Jahres, durch die er sich bei den Fauves einreihte, grossen Erfolg und verkaufte alles, was er im Salon der Unabhängigen im Frühjahr 1907 ausstellte.