Georges Braque
(Argenteuil-sur-Seine, 1882-1963, Paris)
Schiff in Le Havre, um 1905
Öl auf Leinwand, 54 x 65 cm
Signiert unten rechts: G. Braque

Der Maler dieses Hafenbildes ist in Argenteuil an der Seine geboren und hat sich schon als kleiner Junge von acht Jahren im Hafen von Le Havre herumgetrieben. Angesichts des "Schiffs in Le Havre" ist es sicher gut, sich diese Umstände zu vergegenwärtigen, haben sie doch vielleicht etwas zu dieser erstaunlichen Leistung eines 23-jährigen beigetragen. Das kleine Boot vorn, das an dem grossen, vor Anker liegenden Segler festgemacht ist, kann seine Abkunft von den Argenteuil-Bildern eines Claude Monet nicht verleugnen, die Braque aus der Sammlung Caillebotte im Luxembourg gut kannte. Das unerschrockene Angehen des Motivs erklärt sich wohl auch aus der Vertrautheit mit dem Hafenleben. Schon drei Jahre früher hatte Braque an der selben Stelle des Hafens ein ähnliches, kleineres Bild gemalt, das sich aber noch ganz im Rahmen eines impressionistischen Schulwerkes hält. In diesem Bild ist der entscheidende Schritt in die Meisterschaft getan, in der Kühnheit der Komposition und in der Leuchtkraft der lichthaltigen Farbflächen. Das Bild ist ein ebenso grossartiger Abschied vom Impressionismus wie eine verheissungsvolle Ankündigung des Fauvismus, dessen für den Fauve-Künstler Braque typische Palette von hellem Blau, Orange und Ockertönen gefunden ist.