Eugène Delacroix
(Charenton-Saint-Maurice, 1798-1863, Paris)
Selbstbildnis, um 1830/35
Öl auf Leinwand, 36 x 28 cm
Johnson M5
Delacroix’ Zeitgenossen haben uns den Maler in seiner äußeren Erscheinung als vollendeten Weltmann geschildert, klein im Wuchs, aber straff, sein klares Gesicht in einem blassen, fast gelblichen Teint, eingerahmt von dichtem, tiefschwarzem Haar, was ihm etwas Exotisches gab. Sie haben aber auch nicht die Leidenschaft übersehen, die sich hinter dem disziplinierten Äusseren verbarg, wie "seine Augen, die den Ausdruck einer Wildkatze hatten".
Das kleine Selbstbildnis mit den schönen, energischen Zügen und dem fesselnden Blick entspricht ganz diesen Schilderungen der Zeitgenossen. Vor einem transparenten Lichtbraun aufgebaut, sparsam in der Farbe, die nur in einem roten Streifen am Hals aufleuchtet, ist die ganze Aufmerksamkeit des Künstlers auf das in einem dichten Gefüge feiner Pinselstriche aufgebaute Gesicht konzentriert, das das üppige schwarze Haar locker umrahmt. Lee Johnson, der Verfasser des Werkkataloges, vermutet, dass nur die Mundpartie des Bildnisses von Delacroix selbst stammt und dass der grössere Teil des Gesichtes von einem seiner Mitarbeiter ergänzt wurde, als dieser das Bild nach dem Tod des Künstlers erbte. Bei der Gelegenheit dürfte auch die Erweiterung der Leinwand oben und links entstanden sein.