Maurice de Vlaminck
(Paris, 1876-1958, Rueil-la-Gadelière)
Stillleben mit Orangen, um 1907/08
Öl auf Leinwand, 44.5 x 54 cm
Signiert unten links: Vlaminck

Mit dem Stillleben von 1907/08 steht das Werk Vlamincks in seiner höchsten Strahlkraft, die Farben sind gesättigt und von einem tiefen Leuchten. Sie sind nicht in Flecken gesetzt und auch nicht dick aus der Tube gedrückt, sondern schließen sich zu einem dichten Malwerk. Das tiefe Blau der beiden Kannen rechts und das leuchtende Gelb der Zitronen stehen auf dem starken Rot der Decke, ein gemustertes Teegeschirr vermittelt zwischen den Farbkontrasten. Die Gegenstände haben aber nicht nur ihre Leuchtkraft, sie haben auch ihr Gewicht und ihr Volumen, das ein helles von links einfallendes Licht herausarbeitet. Wir wissen, wie stark Vlaminck in der Ausstellung bei Bernheim Jeune 1901 von van Gogh beeindruckt war, wie sehr ihm diese Malerei seinen Weg wies, aber wir brauchen nur an das Stillleben van Goghs mit der Kaffeekanne von 1888 zu denken, das sich bei unserem Bild besonders zum Vergleich aufdrängt, um die farbliche Beschränkung auf blaue und gelbe Töne dort und das Fortissimo im Farbigen hier, um das Distanzierende in der Komposition dort und das vitale Zusammen- und Heranrücken der Gegenstände hier festzustellen. Dem flämisch-französischen Vlaminck ist es hier gelungen, bescheidenen Dingen des Alltags Leuchtkraft und intensives Leben zu geben.