Maurice de Vlaminck
(Paris, 1876-1958, Rueil-la-Gadelière)
Lastschiff auf der Seine bei Le Pecq, 1906
Öl auf Leinwand, 65 x 92 cm
Signiert unten rechts: Vlaminck
Vallès-Bled 144
Die frühen Bilder von Maurice de Vlaminck sind ein gutes Beispiel dafür, wie sich eine jüngere Generation am Werk der grossen Nachimpressionisten orientierte. Eine Ausstellung in der Pariser Galerie Bernheim-Jeune im Jahr 1901 bot Vlaminck erstmals die Gelegenheit, das Werk van Goghs kennen zu lernen, und das Lastschiff auf der Seine zeigt, wie er das Gesehene aufgriff. Doch wie viel radikaler setzt der Künstler jetzt sein Motiv auf der Leinwand um! Fast meint man, ihm zuschauen zu können, wie er die ungemischten Farben aus der Tube auf die Palette drückt, um dann mit grossen Strichen Weg und Wiese entlang dem Fluss zu farbigen Feldern zu fügen. Die Erinnerung an die eigentliche Farbe der Gegenstände ist fern gerückt. Wo dem Maler ein Baumstamm in Rot mehr auszudrücken scheint, wird dieser Baumstamm eben rot gemalt – im effektvollen Kontrast zu den dahinter ziehenden weissen Wolken. Nur in einer Hinsicht zeigt sich Vlaminck noch einmal als sorgfältiger Beobachter der Natur. Die Wasseroberfläche der ruhig fliessenden Seine lässt dank vertikalen Pinselstrichen ahnen, wie sich die Umgebung darin spiegelt. Der Karrierebeginn von Vlaminck wird ganz wesentlich dadurch gefördert, dass er seine Bilder am jährlichen Salon d'automne in Paris ausstellen kann. Dort stösst er nicht nur auf gleich radikal gestimmte Künstler, sondern auch auf ein Publikum, das neugierig die Entwicklung der zeitgenössischen Malerei verfolgt. Einer Salon-Kritik verdankt die Gruppe auch ihren Namen: Les Fauves, die wilden Raubtiere. Was als Schimpfwort gemeint war, griffen die damit Bedachten bereitwillig auf und erklärten es zum Programm für eine Malerei, die von keiner Rücksichtnahme gebändigt wird.