Maurice de Vlaminck
(Paris, 1876-1958, Rueil-la-Gadelière)
Die Papierfabrik, Nanterre, 1904
Öl auf Leinwand, 65 x 81 cm
Monogrammiert unten rechts: M de V
Vallès-Bled 16
Obwohl sich Vlaminck damit brüstete, den Louvre nicht zu betreten, das malerische Erbe zu verachten und nur seinem Instinkt zu folgen, steht er mit der "Fabrik" doch durchaus in der Tradition. Schon um 1870, eine Generatoin zuvor, hatte Cézanne die "Fabrik vor dem Mont de Cengle" gemalt, und man möchte fast annehmen, dass Vlaminck sie gekannt habe, denn die Abhängigkeit ist auffallend. Cézanne hatte es auch nicht vermieden, bei seinen Landschaften von L’Estaque die hohen Schornsteine als strukturelle Elemente ins Bild zu bringen. Die "tristesse de banlieue" war längst entdeckt, Signac hatte 1886 die Gasometer in Clichy und van Gogh 1887 die Brücken von Asnières gemalt, um nur diese Beispiele aufzuführen.
Die baumlose Industrielandschaft mit einer Fabrik an der Seine, mit dem roten rauchenden Schlot und ihren roten Dächern hinter dem sandfarbenen Vordergrund, wozu das Blau in Wasser und Himmel kommen, ist in ihrer ruhigen, bildparallelen Breitenentwicklung, die auch durch die horizontale Pinselführung unterstützt wird, eher statisch ruhig als turbulent, wie man es sonst von dem Fauve Vlaminck gewohnt ist. Der Maler steht noch in seinen Anfängen, worauf auch das sonst ungewohnte Monogramm hinweisen kann. Dargestellt ist eine Fabrik an dem Chatou gegenüberliegenden Ufer der Seine in Nanterre, die Vlaminck 1906 nochmals gemalt hat.