Albert Marquet
(Bordeaux, 1875-1947, Paris)
Le Havre, um 1911
Öl auf Leinwand, 65 x 81 cm
Signiert unten links: Marquet

Le Havre – ein Blick auf Quai und Hafenbassin, das ist scheinbar denkbar einfach und schon gar nicht revolutionär, eher gelassen und reserviert. Aber man braucht nur daran zurückzudenken, was Monet in Le Havre von Boudin und Jongkind Anfang der sechziger Jahre lernte, was Boudin hier bis in den Anfang der neunziger Jahre schuf und wie diese Hafenstadt noch von dem alten Pissarro in seinem Todesjahr 1903 in der Tradition des Impressionismus interpretiert wurde, um sich des großen Umbruchs bewusst zu werden, den eine jüngere Generation im ersten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts herbeiführte, zu der auch Albert Marquet gehörte. Es bedarf dabei gar nicht der Farbfanfaren der Bilder Le Havres, die Marquet und Dufy 1906 – nur drei Jahre nach Pissarro – zusätzlich aus dem Flaggenschmuck des 14. Juli hernahmen.
Die Farben des Bildes von Marquet in der Sammlung Bührle sind durchaus differenziert: das Violett des verschatteten Quais, das helle Türkis des Wassers und das Rosa des gegenüber in der Sonne liegenden Ufers; sie sind nicht pastos aufgetragen, sondern durchlässig, aquarellhaft in der Wirkung. Neben dieser differenzierten Farbigkeit die überlegene Meisterschaft Marquets auch darin, wie er die Hafenlandschaft in das klare Gefüge farbiger Flächen gliedert, in einer meisterhaft reduzierender Vereinfachung, die, alles Kleinliche vermeidend, die Wirkung eines erfrischenden Neubeginns bis heute nicht verloren hat.