Georges Rouault
(Paris, 1871-1958, Paris)
Das Paar (La loge), 1905
Gouache auf Papier auf Holz, 96.5 x 79.5 cm
Signiert & datiert oben rechts: G. Rouault 1905
Dorival 305
Das Gewerbe, mit dem der selbstgefällige Kavalier dieses "Paars" das Geld erworben hat, um seinen von Gefrässigkeit aufgedunsenen Leib durch Frack und Zylinder zu tarnen, ist anrüchig. Die Brutalität ist hinter der Frackbrust nur mühsam verborgen. Dem ausgehaltenen Weib neben ihm hat das Laster das Menschenantlitz zerstört und eine Larve aus ihm gemacht, eine grässliche Maske, die die seelenlose Puppe hochnäsig zur Schau stellt. Dieser Anklage einer pervertierten, gottlosen Welt kann man nicht ausweichen, denn sie wird uns erschreckend nahe gebracht, sie drängt sich auf in ihrer berstenden Prallheit und ihren herausfordernden Rundungen, die kleinen Hintergrundsfiguren – ein von Rouault oft angewandtes Kunstmittel – unterstützen noch die aufdringliche Nähe des abstossenden Paares. Nur in der Farbwahl mit dem Blau-Rosa zollt der Expressionist Rouault seinem Lande den Tribut. Trotzdem ist er mit dem erstmaligen Auftreten dieser Bilder in den Salons d’Automne von 1904 und 1905 auf einhellige Ablehnung gestossen, nicht zuletzt bei seinem Freunde Leon Bloy, dessen "La femme pauvre" im Grunde diese Bilder in ihm hervorgerufen hatte. Der Schock war zu stark.