Henri Matisse
(Le Cateau, Nord, 1869-1954, Cimiez bei Nizza)
Der Pont Saint-Michel in Paris, um 1900
Öl auf Leinwand, 60 x 73 cm
Monogrammiert unten links: H M

Schlechtes Wetter im Winter, der Himmel ist verhangen, es hat geschneit, der Schnee taut. Der Mensch fröstelt, aber der Maler schwelgt in Beige-Grau, die er in reicher Orchestrierung pastos und temperamentvoll auf die Leinwand bringt. Das wechselnde Wetter zwingt zum schnellen Arbeiten. Wir befinden uns in Paris, Quai Saint-Michel 19 in der vierten Etage, wo Henri Matisse 1895 Wohnung und Atelier bezogen hatte, das er zeitweise mit seinem Freunde Albert Marquet teilte und ihm später überliess. Aus dem hochgelegenen Atelier fällt der Blick auf die Seine mit dem Pont Saint-Michel und Seine abwärts bis zu den Dächern des Louvre am Horizont. Rechts erscheint die Sainte-Chapelle. Wenn man von diesem Atelier Seine-aufwärts blickt, sieht man auf Notre-Dame mit den beiden mächtigen Westtürmen. Beide Blicke haben Matisse wie Marquet immer wieder gemalt, und man nimmt an, dass hierbei der sechs Jahre jüngere Marquet, der sein Auge besonders an diesen Stadtlandschaften geschult hatte, der gebende Anreger war.