Edouard Vuillard
(Cuiseaux, Saône-et-Loire, 1868-1940, La Baule)
Der Salon Natanson, rue St-Florentin, um 1897/98
Öl auf Papier auf Holz, 45.5 x 51.5 cm
Signiert oben links: E. Vuillard
Salomon/Cogeval VI-39
Wir befinden uns in der Rue Saint-Florentin im Salon von Thadée Natanson, dem "leitenden Kopf" der "Revue Blanche". Er selbst sitzt mit in die Hand gestütztem Kopf im Hintergrund, während am vorderen Bildrand schemenhaft seine Frau Misia, die Pianistin, sichtbar wird, bei der dritten Figur am rechten Bildrand könnte es sich um den Schriftsteller Romain Coolus handeln. Dieser Salon war der Treffpunkt der Nabis in den 1890er Jahren und der Schauplatz vieler dort entstandener Bilder. Mit solchen Bildern steht der etwa dreissigjährige Vuillard schon auf der Höhe seines Schaffens. Dem wissbegierig fragenden Betrachter gibt dieser Innenraum nur verschleierte Antworten, einmal, weil es sich mehr um die Ansicht einer bildparallelen Wand handelt als um einen Raum, zum anderen, weil alles von einem verschwimmenden Dämmerlicht verschluckt wird, auch die Personen im Vordergrund des Bildes. Nur die Irrealität der im Kaminspiegel erscheinenden gegenüberliegenden Wand mit der hellen Petroleumlampe und der farbigen Tapete leuchtet auf. In der grüngoldenen Durchwirkung des Bildes denkt man an alte Brokate, und der symmetrische Aufbau mit der Lichtquelle in der Mitte gibt ihm etwas Sakrales.