Edouard Vuillard
(Cuiseaux, Saône-et-Loire, 1868-1940, La Baule)
Zauberer im Variété, um 1895
Öl auf Karton, 49 x 39 cm
Signiert unten rechts: E. Vuillard
Salomon/Cogeval III-50
In dem Masse, wie die jungen "Nabis/Propheten", vom reinen Staffeleibild loskommen wollen und eine Ausweitung ihrer Kunst in einer Zusammenarbeit mit anderen Künsten suchen, muss das Theater für sie anziehend werden: Plakate, Programme, vor allem aber Dekorationen sind ein willkommenes, neues Arbeitsfeld. Auch die Tendenz zum flächenhaft Dekorativen drängt sie in diese Richtung. Der Verbindungsmann hierzu ist der ideenreiche Schauspieler Lugné-Poë, der schon im Lycée Condorcet mit Vuillard in die Klasse gegangen war und mit Vuillard, Bonnard und Denis das Atelier in der Rue Pigalle teilte. Mit der Gründung seines "Théâtre de l’Œuvre" (1893) eröffnete er ihnen diese neue Welt.
Es ist ein großer Verlust für die Kenntnis dieses Aufbruchs einer jungen Künstlergeneration, dass diese Theaterdekorationen nicht erhalten sind. Aber etwas von dieser Theaterrevolution spüren wir in diesem engen, kleinen Theater – dem "Œuvre"? – in der Sammlung Bührle mit dem sonoren Rot im Kleid der Sängerin auf der Bühne, was noch einmal in der Jacke der Ansagerin vor der Bühne aufklingt.