Pierre Bonnard
(Fontenay-aux-Roses, Seine, 1867-1947, Le Cannet)
Frau bei der Toilette, um 1905
Öl auf Karton, 53 x 51.5 cm
Signiert unten rechts: Bonnard
Dauberville 379
Ein anderes Bildformat, für das Bonnard eine Vorliebe hatte, ist das Quadrat. Auch damit setzen sich die Nabis vom Impressionismus ab, um der Bildfläche als solcher neues Gewicht zu geben. Zeitlich dem Bild "Intérieur" nahestehend, wird es in denselben Räumen entstanden sein und gehört wie jenes einer grösseren Werkgruppe kleiner Studien von Figuren im Raum an, die in den Variationen der Serie das unentbehrliche Rüstzeug für den Maler sind. Auch hier verzichtet der Künstler auf Raumtiefe und setzt den Sessel mit dem Modell frontal vor die parallel zur Bildfläche laufende Wand. Den so gesteckten Rahmen lockert der Maler Bonnard auf, indem er der sich nach dem Bade Abtrocknenden im Profil nach links in den reichen Überschneidungen der Haltung eine barocke Arabeske gibt, die sich spielerisch in dem hoch aufgetürmten Haarknoten und den Voluten der Sessellehnen fortsetzt, so daß der ganze Formenkomplex gleichsam zu einer Rocaille wird. Dem reichen Formenspiel entspricht die reiche Farbigkeit in ihrem lockeren Auftrag, auf dem Hellblau der Wand das Perlmuttfarbene des Aktes mit seinem rieselnden Licht und das Brokatfarbene des Sessels, das sich heller im Badetuch fortsetzt – genauso wie im "Intérieur" der strenge Aufbau zu einem Purismus der Farbe in Beziehung gestanden hatte.