Pierre Bonnard
(Fontenay-aux-Roses, Seine, 1867-1947, Le Cannet)
Intérieur, um 1905
Öl auf Leinwand, 59.5 x 40.5 cm
Signiert unten links: Bonnard
Dauberville 344
Seit seiner japanisierenden Frühzeit hat Bonnard das aus der Hängerolle abgeleitete Hochformat sehr geliebt und vielfach verwendet, auch für Wandschirme und Wanddekorationen. Es zwingt zu einer knappen, disziplinierten Flächengliederung. In dem "Interieur" wird das Format durch den schlanken, von einer schmalen Holzleiste gerahmten Spiegel noch besonders betont. Dieser Spiegel ist auch auf dem Porträt Vollards (im Kunsthaus Zürich) wie auf vielen Studien der Zeit um 1905 zu sehen; er hängt in einem nüchternen Arbeitsraum, wie Bonnard ihn bevorzugte. In dem schmalen Hochformat ist das Bild in parallel zur Bildfläche gestaffelten Schichten aufgebaut, vorn rechts sitzt die junge Frau, Marthe, die spätere Frau des Künstlers. Sie ist unscharf verschattet und gibt den Blick auf den Spiegel frei, der der Hauptakteur im Bilde ist, indem er durch sein Spiegelbild mit dem diagonalen Fenster und dem Ausblick auf Häuser den ruhigen Parallelismus durchbricht. Dabei ist nicht zu übersehen, welche Rolle in diesem Bild mit seiner Beschränkung auf Grautöne gerade die leere Wand in ihrem differenzierten, zarten Grau hat. Nur sparsam kündigt sich stärkere Farbe im Rot der Bluse und im Hellblau der Schleife an.