Pierre Bonnard
(Fontenay-aux-Roses, Seine, 1867-1947, Le Cannet)
Ambroise Vollard, um 1904
Öl auf Leinwand, 73 x 60 cm
Signiert unten links: Bonnard
Dauberville 304
Bonnard hat nur wenige Porträts gemalt. Typisch für ihn ist, dass er den Menschen in seine Kompositionen einbindet und damit seine Individualität weitgehend aufhebt. Seine Zurückhaltung, auch Freunden gegenüber, steht ihm als Porträtisten im Wege. Was ganz allgemein von seiner Art des Schaffens geltend gemacht wird, dass er auf Grund weniger Notizen aus der Erinnerung arbeitet, gilt auch von seinen Porträts, mit denen er die Dargestellten überraschte.
Das Porträt des avantgardistischen Kunsthändlers und Verlegers Ambroise Vollard, mit dem er seit der Gründung von dessen Galerie in der Rue Laffitte 1893 in Verbindung stand, scheint hier eine Ausnahme zu machen. Vollard spricht in seinen Erinnerungen ausdrücklich von Sitzungen, bei denen er es mit der schwer zu haltenden Katze auf seinem Schoss zu tun hatte, wie es auch im ausgeführten Porträt Vollards im Kunsthaus Zürich zu sehen ist. Zu diesem Bild ist das Brustbild Vollards eine vorbereitende Studie, sie ist von einer solchen Spontaneität und einer so scharfen Charakterisierung, dass die unmittelbare Nähe des Modells fühlbar wird. Um 1904 gemalt, ist die Palette aufgehellt und durch die lichtgraue, mit breitem Spachtel gemalte Wand bestimmt. Auch wenn nicht eindeutig identifizierbar, ist in dem hinter Vollard hängenden Bild doch eine Landschaft Cézannes zu erkennen. Sie verweist auf die grosse Bedeutung Vollards als dem ersten Händler Cézannes, der massgeblich am damals einsetzenden Erfolg des Künstlers beteiligt war. Im Vergleich mit dem viel straffer aufgebauten Porträt Vollards, das Cézanne 1899 malte, erscheint bei Bonnard der Dargestellte lebensnäher, salopper.