1890 – 1956 Emil Georg Bührle – Industrieller und Kunstsammler
Emil Bührle, um 1924


1924–1939: Einwanderung in die Schweiz und selbstständiger Unternehmer

Im Auftrag seines Arbeitsgebers traf Emil Bührle anfangs 1924 in Zürich ein und übernahm die Leitung der Schweizerischen Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon, welche die Magdeburger Firma im Vorjahr gekauft hatte. Im Sommer 1924 erwarb Bührle aus der Konkursmasse der Maschinenbau AG Seebach das Patent für ein 20-mm-Geschütz, das der deutsche Ingenieur Reinhold Becker entwickelt hatte. Dieser Schritt geschah mit Blick auf die sogenannte "verdeckte deutsche Rüstung", die auf Produktionsstätten in neutralen ausländischen Staaten wie Holland, Schweden und die Schweiz auswich, nachdem der Friedensvertrag von Versailles (1919) ein fast vollständiges Verbot der deutschen Rüstungsindustrie durchgesetzt hatte. Mit finanzieller Hilfe der Inspektion für Waffen und Gerät in der deutschen Heeresleitung in Berlin wurde die "Becker-Kanone" in der Folge in Oerlikon technisch perfektioniert. Die Lieferung von 120 Geschützen nach China an General Tschiang Kai-schek machte das Oerlikoner Werk erstmals auch zu einem wichtigen Auftraggeber für Zulieferer in der Schweiz, darunter die Rüstungsbetriebe der Schweizer Armee. Mit seiner inzwischen vierköpfigen Familie wohnte Bührle in diesen Jahren an verschiedenen Adressen in der Stadt Zürich, da er erwartete, nach erfolgtem Einsatz nach Deutschland zurückzukehren.

1929 übernahm Ernst Schalk die Aktienmehrheit der Firma, für die sein Schwiegersohn Emil Bührle inzwischen Lizenznehmer in Italien, Deutschland und Japan gewonnen hatte; Abschlüsse in Europa und Südamerika verbreiteten Fliegerabwehrgeschütze aus Oerlikon auf der ganzen Welt. Mit Beginn der offenen Aufrüstung Deutschlands unter dem NS-Regime wurden deutsche Firmen starke Konkurrenz für die exportabhängige Schweizer Rüstungsindustrie. Umso wichtiger waren grosse Aufträge, die das Oerlikoner Werk und andere Hersteller in der Schweiz aus Belgien, Frankreich, und Grossbritannien erhielten. 1938 übernahm Emil Bührle als alleiniger Inhaber die Kommanditgesellschaft Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon Bührle & Co. Im gleichen Jahr auferlegte ein neuer Verfassungsartikel dem Schweizerischen Bundesrat erstmals die Kontrolle über Produktion und Export von Kriegsmaterial.

Im März 1937 erwarb Emil Bührle das Schweizer Bürgerrecht, und im Herbst des Jahres bezog er mit seiner Familie ein grosses Haus an der Zollikerstrasse 178 in Zürich. 1938 gelangte das Nachbarhaus an der Zollikerstrasse 172 in den Besitz von Bührles Gattin. Es wurde teilweise von ihren in die Schweiz gezogenen Eltern bewohnt und bald auch für die Lagerung von Bildern genutzt. 1939 wurde das von Emil Bührle erbaute Hotel zum Storchen in der Zürcher Innenstadt eröffnet.