Emil Georg Bührle
1890-1956 als Unternehmer und als Kunstsammler
Emil Bührle, 1956


1951-1956: Internationaler Unternehmer – internationaler Sammler

Emil Bührle baut sein Unternehmen zu einem weitgefächerten Konzern aus und ist an Gesellschaften in Deutschland, Italien, Liechtenstein, Chile und Indien beteiligt. Fliegerabwehrsysteme der Tochterfirma Contraves stehen bei verschiedenen Mitgliedern der Nato im Einsatz und werden in Italien und in Schweden hergestellt. Die Pilatus Flugzeugwerke in Stans entwickeln eine Reihe von Schulflugzeugen für die Schweizer Armee. Im zivilen Bereich gelingen Erfolge mit Bremssystemen, Büromaschinen, Textilmaschinen und Kunststoffen. 1953 werden in Asheville (North Carolina) weitläufige Anlagen für die Oerlikon Tools and Arms Corporation of America errichtet. Im Oktober 1956 feiert Emil Bührle mit den Mitarbeitern des Stammhauses das 50-jährige Bestehen der Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon.

Die Zahl der erworbenen Werke steigt sprunghaft an und umfasst von jetzt an gegen 100 Bilder und Skulpturen pro Jahr. Häufige Auslandreisen ermöglichen Käufe – oft ganzer Bildergruppen – bei einem kleinen Kreis führender Händler in New York, London und Paris: Paul Rosenberg, Germain Seligmann, Georges Wildenstein, Max Kaganovitch und Frank K. Lloyd. Ein besonderes Vertrauensverhältnis verbindet Bührle mit Arthur Kauffmann in London und Fritz Nathan in Zürich. Im Juni 1954 hält Emil Bührle an der Universität Zürich einen Dia-Vortrag: Vom Werden meiner Sammlung. Er schildert darin die eigene historische Stellung innerhalb der Rezeption des französischen Impressionismus und erläutert die kunsthistorischen Prinzipien, die ihn bei der Auswahl der älteren Kunst leiteten. Mit Bildern der Fauves und der Kubisten fügt Bührle gleichzeitig Vorläufer der aktuellen abstrakten Malerei ein; daneben sammelt er kontinuierlich gotische Skulpturen vor allem aus dem Bodensee- und dem Alpenraum.

Nach einer Volksabstimmung kann Ende 1954 mit dem Bau des Ausstellungssaals am Heimplatz begonnen werden, den Emil Bührle dem Kunsthaus Zürich schenkt. Zur Eröffnung soll die Sammlung des Stifters dort gezeigt werden, und Emil Bührle schiebt Entscheidungen für eine dauerhafte Präsentation seiner Sammlung hinaus. Obwohl er im Allgemeinen ein grosszügiger Leihgeber ist, wird er im Hinblick auf die Zürcher Ausstellung zurückhaltender.

1951-1952 malt Oskar Kokoschka ein Porträt von Emil Bührle. 1952 und 1953 wird anstelle des "Preises für Schweizer Malerei" in Paris ein Wettbewerb um den "Prix Buhrle" veranstaltet. Anders als für die eigene Sammlung trifft Bührle die Auswahl dabei nicht selbst, sondern beauftragt eine Jury aus Vertretern des Pariser Kunstlebens. Preisträger sind typische Exponenten der "Ecole de Paris", die bald an Bedeutung verlieren wird.

28. November 1956

Emil Bührle stirbt in Zürich. Er hat für den Fortbestand seiner Kunstsammlung keine Verfügung getroffen. Von Juni bis September 1958 ist im Andenken an Emil Bührle der grösste Teil seiner Sammlung im neueröffneten Flügel des Kunsthauses Zürich ausgestellt.