Emil Georg Bührle
1890-1956 als Unternehmer und als Kunstsammler
Emil Bührle, um 1950


1945-1951: Die Nachkriegsjahre

Bei Kriegsende sieht sich Emil Bührle nicht nur mit einem generellen Exportverbot für Kriegsmaterial konfrontiert, sondern auch damit, dass seine Firma seit längerem auf der "Schwarzen Liste" der West-Alliierten figuriert. Noch vor der offiziellen Aufhebung des Listen-Eintrags lassen sich aber Experten der britischen Armee 1946 neue Entwicklungen der Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon Bührle & Co. vorführen. 1947 verhandelt Emil Bührle in Chicago über Lieferungen an die USA. Erfolglos bleibt sein Versuch, nachträgliche Lizenzzahlungen für die während des Krieges in den USA produzierten Oerlikon-Geschütze zu erhalten. Das generelle Ausfuhrverbot für Kriegsmaterial wird ab 1949 vom Bundesrat einseitig gegenüber den Westmächten gelockert, um die Schweiz im beginnenden "Kalten Krieg" zwischen Ost- und Westblock zu positionieren. 1949 gründet Emil Bührle die Industrie- und Handelsbank Zürich mit Sitz in dem ihm gehörenden Bleicherhof.

Die Zahl der erworbenen Bilder geht vorübergehend zurück, doch befinden sich unter den Käufen Bilder, die zeigen, dass Emil Bührle mit immer grösserem Ehrgeiz sammelt. 1948 übernimmt er den verpfändeten "Knaben mit der roten Weste" von Paul Cézanne aus der Sammlung des verschuldeten G. F. Reber in Lausanne, 1949 erwirbt er "La petite Irène" von Auguste Renoir von der Porträtierten, der Gräfin Irène Sampieri(-Camondo)-Cahen d'Anvers.

Viel Aufmerksamkeit ziehen ab 1948 die Prozesse auf sich, mit denen die neu eingerichtete Kammer zur Beurteilung von Raubkunstfragen beim Schweizerischen Bundesgericht in Lausanne die Besitzverhältnisse der in Frankreich entwendeten Bilder klärt. Von den 77 in der Schweiz sichergestellten, in Frankreich gestohlenen Bildern besitzt Emil Bührle 13. Der Prozess zwischen ihm und dem inzwischen in New York lebenden Händler Paul Rosenberg wird als erster zum Abschluss gebracht; weitere Gerichtsentscheide folgen 1949. Danach macht Emil Bührle den Besitzern das Angebot, die Bilder ein zweites Mal zu kaufen. Von den 13 Raubkunst-Bildern gehen auf diese Weise 9 in Bührles rechtmässiges Eigentum über, 4 gibt er zurück. Die letzte Transaktion ist im Februar 1951 abgeschlossen. Emil Bührles Regressansprüche werden geschützt, da das Schweizerische Bundesgericht zum Schluss kommt, dass Bührle vom Bilderraub in Frankreich nicht gewusst haben konnte.

1945 gründet Emil Bührle die Goethe-Stiftung für Kunst und Wissenschaft. Im gleichen Jahr übernimmt die Zürcher Kunstgesellschaft die Durchführung des von Bührle gestifteten "Preises für Schweizer Malerei". 1949 schenkt Emil Bührle dem Kunsthaus das Höllentor von Auguste Rodin, das er aus dem Baufonds für den geplanten Erweiterungsbau bezahlen lässt. Ebenfalls aus dem Baufonds angekauft werden zwei grosse Seerosen-Bilder von Claude Monet, die Emil Bührle 1951 bei einem Besuch in Giverny für das Kunsthaus ausgesucht hat.