1890 – 1956 Emil Georg Bührle – Industrieller und Kunstsammler
Emil Bührle, um 1950


1940–1950: Zweiter Weltkrieg und Nachkriegsjahre

Die deutsche Besetzung Frankreichs im Sommer 1940 verhinderte weitere Lieferungen der Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon Bührle & Co. an die britische und die französische Armee. Gestützt auf den neuen Verfassungsartikel zur Kontrolle über Herkunft und Vertrieb von Kriegsmaterial und mit Rücksicht auf politische Überlegungen veranlasste die Schweizer Militärbehörde Emil Bührle, Geschütze und Munition nach Deutschland zu liefern. Aufgrund von Plänen, die Bührle vor dem Krieg der britischen Admiralität verkauft hatte, wurden zur gleichen Zeit Oerlikon-Geschütze in Grossbritannien und in den USA produziert. Für umfangreiche Lieferungen an die Achsenmächte beschäftigte das Oerlikoner Werk zeitweise weit über 3'000 Mitarbeiter. Am 26. September 1944 verhängte der Schweizerische Bundesrat ein vollständiges Exportverbot für Kriegsmaterial, das fast ein Jahr in Kraft blieb. Dennoch beschäftigte Emil Bührle seine Entwicklungsabteilung und die Facharbeiter weiter und investierte vermehrt in zivile Produkte.

Die kriegswirtschaftlichen Anbauvorschriften für Industriebetriebe veranlassten Bührle, im Maggia-Delta im Tessin Landwirtschaftsfläche zu erwerben und einen Musterbetrieb aufzubauen. Das daneben stehende "Castello del Sole" wurde später zu einem Hotel erweitert. 1942 wurde in Oerlikon die christkatholische Kirche eingeweiht, die mit Bührles Hilfe errichtet wurde. Auch trug er mit Bildern und Skulpturen zur Innenausstattung der Kirche bei.

Bei Kriegsende sah sich Emil Bührle nicht nur mit dem generellen Exportverbot für Kriegsmaterial konfrontiert, sondern auch damit, dass seine Firma seit längerem auf der "Schwarzen Liste" der West-Alliierten figurierte. Noch vor der offiziellen Aufhebung des Listen-Eintrags 1946 liessen sich aber Experten der britischen Armee neue Entwicklungen der Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon Bührle & Co. vorführen. 1947 weilte Bührle in Chicago und verhandelte über Lieferungen an die USA. Ab 1949 wurde das Ausfuhrverbot für Kriegsmaterial vom Bundesrat einseitig gegenüber den Westmächten gelockert, um die Schweiz im beginnenden "Kalten Krieg" zwischen Ost- und Westblock zu positionieren. 1949 gründete Emil Bührle die Industrie- und Handelsbank Zürich, die ihren Sitz in dem ihm gehörenden Bleicherhof bezog.