Emil Georg Bührle
1890-1956 als Unternehmer und als Kunstsammler
Die Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon Bührle & Co.


1939-1945: Zweiter Weltkrieg

Die deutsche Besetzung Frankreichs im Sommer 1940 verhindert weitere Lieferungen der Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon Bührle & Co. an die britische und die französische Armee. Gestützt auf den neuen Verfassungsartikel zur Kontrolle über Herkunft und Vertrieb von Kriegsmaterial und mit Rücksicht auf politische Überlegungen veranlasst die Schweizer Militärbehörde Emil Bührle, Geschütze und Munition nach Deutschland zu liefern. Aufgrund von Plänen, die Bührle vor dem Krieg der britischen Admiralität verkauft hat, werden zur gleichen Zeit Oerlikon-Geschütze in Grossbritannien und in den USA produziert. Für umfangreiche Lieferungen an Deutschland und an Italien beschäftigt das Oerlikoner Werk zeitweise weit über 3'000 Mitarbeiter. Am 26. September 1944 verhängt der Schweizerische Bundesrat ein vollständiges Exportverbot für Kriegsmaterial, das fast ein Jahr in Kraft bleibt. Emil Bührle beschäftigt seine Entwicklungsabteilung und die Facharbeiter weiter und investiert vermehrt in zivile Produkte.

In den Kriegsjahren erwirbt Emil Bührle rund 100 Bilder überwiegend von französischen Malern des 19. Jahrhunderts. Fünf Bilder kauft er im Herbst 1941 in Paris. Bei der Galerie Fischer in Luzern und bei der Galerie Aktuaryus in Zürich kauft Emil Bührle 1942/43 unter anderem auch zwölf Werke französischer Impressionisten, bei denen sich kurz nach Kriegsende herausstellt, dass sie ihren jüdischen Eigentümern in Frankreich von deutschen Amtsstellen gestohlen worden waren. In der Folge hatte sie der deutsche Reichsmarschall Hermann Göring für Tauschgeschäfte in der Schweiz absetzen lassen. Ein letztes Raubkunst-Bild kommt im Sommer 1944 aus privater Vermittlung in Bührles Sammlung.

1941 stellt Emil Bührle der Zürcher Kunstgesellschaft eine Stiftung von 2 Millionen Franken in Aussicht, mit denen ein Erweiterungsbau für das Kunsthaus am Heimplatz realisiert werden soll. 1943 ist er wichtigster Leihgeber einer Ausstellung, die im Kunsthaus "Ausländische Kunst in Zürich" zeigt. Beim Bau einer Betriebskantine in Oerlikon erteilt Bührle führenden Schweizer Künstlern grosse Wandbildaufträge. In die Fabrik gelangen auch zahlreiche Bilder zeitgenössischer Schweizer Maler, die Bührle aber stets strikte von seiner Sammlung internationaler Künstler getrennt hält.

Die kriegswirtschaftlichen Anbauvorschriften für Industrie-Betriebe veranlassen Emil Bührle, im Maggia-Delta im Tessin Landwirtschaftsfläche zu erwerben und einen Musterbetrieb aufzubauen. Das daneben befindliche "Castello del Sole" wird später zu einem Hotel erweitert. 1942 wird in Oerlikon die christkatholische Kirche eingeweiht, die mit Emil Bührles Hilfe errichtet wurde. Er trägt mit Bildern und Skulpturen auch zur Innenausstattung der Kirche bei.