1936–1959: Die Sammlung Emil Bührle
D. Kessel, 1954, ©gettyimages
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Der seit 1924 in Zürich lebende Industrielle Emil Georg Bührle (Pforzheim 1890–1956 Zürich) baute in der Mitte des 20. Jahrhunderts eine der weltweit wichtigsten privaten Sammlungen europäischer Malerei auf. In ihrem Mittelpunkt steht der französische Impressionismus und Nachimpressionismus. Rund um Maler wie Cézanne, Gauguin, van Gogh, Monet und Renoir gruppierte Bührle französische Künstler des 19. Jahrhunderts, die den Impressionismus vorbereiteten oder ihn begleiteten, ausserdem Bilder älterer Meister, die ähnlichen malerischen Prinzipien folgten wie die Impressionisten. Den Kernbestand seiner Sammlung ergänzte Bührle mit Beispielen aus dem Schaffen der französischen Avantgarde seit 1900. Zur Sammlung gehört ausserdem eine Gruppe mittelalterlicher Skulpturen.

Indem Emil Bührle den französischen Impressionismus und Nachimpressionismus ins Zentrum rückte, folgte er einer um 1950 verbreiteten Bewertung, die in dieser Malerei den Ursprung aller modernen, für die eigene Zeit wichtigen Kunst sah. Namentlich die drei grossen Nachimpressionisten Cézanne, Gauguin und van Gogh galten damals als eigentliche "Väter" der modernen Kunst, und sie sind in Bührles Sammlung mit grossen Werkgruppen vertreten. Der Sammler war bestrebt, die Meisterwerke in seinem Besitz mit kleineren Arbeiten zu ergänzen, in denen die persönliche Entwicklung eines jeden verfolgt werden kann. Auch die älteren Impressionisten sind in der Sammlung sehr vollständig repräsentiert mit Werken aller Gattungen, in denen sie arbeiteten.

Ausserdem ergänzte Bührle seinen Kernbestand mit Werken alter Meister, die oft dem Impressionismus vergleichbare Stilmittel  erkennen lassen – am augenfälligsten etwa in Frans Hals' mit virtuosem Pinselstrich festgehaltenem Bildnis eines jungen Mannes oder in Francesco Guardis atmosphärisch dichter Darstellung der Bucht von San Marco in Venedig. Mit dieser Auswahl folgte Bührle kunsthistorischen Entwicklungslinien, wie sie ihm seit seinem Studium in Deutschland vor dem Ersten Weltkrieg vertraut waren.

Den grössten Teil seiner Bilder und Skulpturen erwarb Emil Bührle zwischen 1951 und 1956. Obwohl er kein Sammler von zeitgenössischer Malerei war, reagierte Bührle damals indirekt auf aktuelle Veränderungen in der Kunstszene, indem er seiner Sammlung Beispiele der künstlerischen Avantgarde vom Anfang des Jahrhunderts einfügte. Sie galt inzwischen als historische Grundlage für den Erfolg, den die abstrakte Malerei seit 1945 in Europa und in den USA erzielte.